Die Veränderung klar vor Augen

„Ob ich den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit wagen soll?“ Martina* ist glücklich verheiratet, hat zwei süße Kinder und ihr Job als Marketing-Leiterin eines mittelständischen Unternehmens ist auch nicht gerade schlecht. Dennoch treibt Martina schon seit Längerem die Frage um, ob das schon alles gewesen sein soll. Sie träumt davon, sich mit ihrer eigenen Marketing-Agentur selbstständig zu machen. Das wird allerdings von sehr gemischten Gedanken und Gefühlen begleitet. Sie ist es leid, sich mit dem Thema im Kreis zu drehen und trifft sich mit ihrer Freundin Andrea*. Sie ist Business Coach und ausgebildet in Neurographik, einer kreativen Coaching-Technik, mit der man Veränderungsprozesse begleitet. „Da kannst du dir im wahrsten Sinne des Wortes ein eigenes „Panorama-Bild“ machen“, ermutigt Andrea ihre Freundin. Ich erkläre dir das gleich Schritt für Schritt und zeichne auch immer mit, sodass du dich gut orientieren kannst. Lass uns mit einer neurographischen Aufwärmübung starten“, dabei zeichnet Andrea einige geschwungene Linien vor, die an einen Fluss erinnern, der sich durch die Landschaft schlängelt. „Schaue am besten direkt auf die Spitze deines Stiftes, der weiß schon wo er hin will, der Rest kommt wie von selbst“, lächelt Andrea.

Mit einem großflächigen DIN A3-Papier geht es weiter. „Zeichne etwa hier einen Kreis. Der steht für dich, da, wo du gerade beruflich stehst. Und weiter dort rechts einen Kreis für dein Ziel. Am besten schreibst du in die Kreise immer gleich rein, um was es geht. Wichtig ist, dass du im gesamten Prozess auf deine Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen achtest“, leitet Andrea an. „Warum Kreise?“ will Martina wissen. “Weil diese harmonisierend wirken, das ist ganz wichtig in der Neurographik, wir runden immer alles ab, bis es sich gut anfühlt! Willst du nun an dieser Stelle die Gründe aufzeichnen, die hinter deinem Veränderungswunsch stecken?“ Es entsteht ein Kreis nach dem anderen für Routine, Langeweile, Neues erfahren wollen und schleichende Unzufriedenheit. Bei den Ressourcen, die Marina auf dem Weg zum Ziel als Nächstes verbildlicht, zeigen sich Mut zur Veränderung, Ehrgeiz, Leidenschaft, umfangreiche fachliche Kompetenzen, ein bereits vorhandener Arbeitsraum, ein solides Netzwerk und gute Kontakte sowie Unterstützung von allen Seiten. Martina spürt, wie die Anspannung der letzten Wochen weicht. Der Brustkorb weitet sich und sie atmet tief ein und aus, ihren Ressourcen-Schatz betrachtend. Nun widmet sie sich den Konsequenzen, die die Zielerreichung mit sich bringt. Ihr Wohlgefühl wird von einer inneren Unruhe und Angst überlagert, als Martina einen ersten Kreis für „finanzielle Belastung bei Existenzgründung“ zeichnet. Sie spürt massiven Druck auf den Schultern. „Mache jetzt in diesen Kreis mit einem wilden Gekritzel eine „Entladung“ deiner belastenden Emotionen. Danach rundest du alles ab, bis du dich wieder gut fühlst.“ Auch beim nächsten Aspekt „Veränderung im Familienalltag“ kommt Martina ins Schwitzen und verfährt wie zuvor. Danach folgen Kreise für Freude, Power, Selbstverwirklichung, freie Zeiteinteilung und abwechslungsreiche Projekte sowie ein Kreis, von dem sie noch nicht weiß, für was er steht. „Da erwartet dich sicherlich noch was ganz Großartiges! Bitte verbinde jetzt alles mit allem und ziehe auch Linien nach außen, damit die Umgebung mit einbezogen wird. Dann runde überall ab, wo Spitzen entstanden sind. Wenn du soweit bist, kommen die Farben zum Einsatz. Am besten du startest mit gelb und fasst Bildelemente zusammen, die für dich zusammengehören. Bis die nächste Farbe dran ist und bis du genug hast. Folge deine Intuition! Schließlich ziehst du noch ein paar Linien mit einem dickeren Marker nach und zu guter Letzt entscheidest du dich für eine Figur, die du besonders verstärkst und hervorhebst.“

„Das ist ja einfach fantastisch, was da entstanden ist“, strahlt Martina nach diesem intensiven Prozess. Es ist ihr Ziel, welches sofort klar und deutlich ins Auge sticht. Meine Ungewissheit ist wie weggeblasen und meine Selbstständigkeit mit der Marketing-Agentur zieht mich förmlich an. Das Ganze ist wie meine innere Landkarte“. „Ja“, lächelt die Freundin „eine, die du jetzt nach außen getragen hast. Lasse es noch ein bisschen auf dich wirken, schaue was da vielleicht noch kommt. Du weißt ja: ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.“

Name und Geschichte frei erfunden©Christina Westenberger