Die Krise mit Sicherheit meistern

„Ich habe wirklich das Gefühl, dass gerade meine ganze Welt zusammenbricht“, seufzt Sabine* zu Beginn ihrer Coaching-Sitzung.“ Die Studentin ist gerade beim Vorexamen durchgefallen. Die Belastung der letzten Monate, in der sie sich um ihre kranke Mutter kümmern musste, war einfach zu viel. „Völlig fertig war ich dann, als mein Freund mir unerwartet mitteilte, dass unserer Beziehung ein bisschen Abstand guttäte und er nächstes Semester im Ausland studieren wolle. Da zieht es mir gerade den Boden unter den Füßen weg.“ Der Coach möchte wissen, wo genau sie das im Körper spürt und was sie bräuchte, damit es ihr wieder besser ginge. „In den Beinen und Füßen“, antwortet Sabine, „es ist, als hätte ich dort keine Kraft mehr. Ich brauche die Sicherheit, dass ich diese Krise wirklich meistern kann und auch, dass ich dabei in Sicherheit bin.“

Ihr Coach, ausgebildet in Gesprächshypnose, bietet ihr an, eine tranceähnliche Erfahrung zu machen, um genau diese Sicherheit aufleben zu lassen und die Ressource zu verstärken. Sabine willigt ein und der Coach führt sie nun allmählich in eine Art fokussierte Innenschau. „Wenn ich gleich von drei bis eins runterzähle, kommst du genau an dem Ort an, an dem du das erste Mal gespürt hast, dass du in Sicherheit bist. Drei, zwei, eins. Wo bist du jetzt und was nimmst du wahr?“ „Ich befinde mich im Bett meiner Oma unter einer riesigen Zudecke. Dort ist es wohlig warm, ganz gemütlich und ich fühle mich sicher und geborgen. Ich bin noch klein, vielleicht gerade mal drei oder vier Jahre alt. Da ist irgendein Geräusch.“ „Was ist das für ein Geräusch? Was passiert jetzt“, möchte der Coach wissen. „Durch das große, gekippte Fenster sehe ich auf dem Balkon die brauen Blumenkästen, in denen kleine Amseljunge fröhlich vor sich hin zwitschern. Ja genau! Meine Oma erzählt immer, dass seit vielen Jahren ein Amselpaar zu ihr kommt. Anscheinend fühlt es sich genau dort sicher und geschützt, um zu nisten und die Jungen aufzuziehen bis sie flügge sind. So wie ich unter meiner Decke sicher bin“, frohlockt Sabine. Der Coach lädt Sabine ein, sich noch weiter diesem guten Gefühl hinzugeben. Sabines Strahlen im Gesicht ist zu entnehmen, dass sie es rundum genießt, bis sie verkündet, dass sie nun zu ihrer Oma in die Küche wolle.

„Wenn du jetzt durch diese Tür zu deiner Oma gehst, findest du vermutlich etwas, was dir bei deinem Thema hilft. Bist du bereit?“ Sabine ist bereits dort! Ihr Gesichtsausdruck wechselt von freudiger Erwartung zu Enttäuschung. „Die Oma ist ja gar nicht da!“ „Wenn die Oma nicht da ist, was ist dann sonst da?“ „Oh, da ist er ja, der liebevoll gedeckte Frühstücksplatz für mich. Auf dem blauen Kinderteller steht eine kleines Holzkästchen. Es sieht aus wie eine Schatztruhe. Beim Öffnen kommt eine Silberkette mit einem herzförmigen Anhänger zum Vorschein. „In dem Anhänger muss was drin sein“, sagt Sabine ganz aufgeregt. Und ja: im Innern befindet sich ein winzig-kleines Bild von ihrer Oma. „Ich ziehe die Kette gleich an“, dabei strahlt Sabine bis über beide Ohren. „Dein Unterbewusstsein hat dir jetzt ein tolles Geschenk gemacht. Du musst noch nicht wissen, was das für dein Thema bedeutet. Genieße es noch einen Moment, dann kommst du wieder zurück ins Hier und Jetzt“, hört Sabine den Coach sagen.

Sabine öffnet langsam die Augen und eine Träne der Rührung läuft über ihr Gesicht während der Coach sie fragt, wie es ihr geht. „Ich fühle mich ganz ruhig und gelöst“. „Wenn du jetzt an deine Situation denkst, wie sicher bist du, dass du mit und in Sicherheit die aktuelle Krise meistern wirst?“, möchte der Coach wissen. „Sehr sicher, auch wenn es vielleicht nicht einfach wird, aber ich habe jetzt alles, was ich brauche. Ich danke Ihnen so sehr!“

* Name und Geschichte frei erfunden©Christina Westenberger